Lars von der Wellen

Lars von der Wellen – Leiter Personalmarketing bei Gauselmann

Über den Interview-Termin bei Gauselmann in Espelkamp habe ich viel nachgedacht und tue das auch noch. Einerseits hadere ich ehrlich gesagt mit dem Produkt des Unternehmens. Andererseits ist der 28-jährige Leiter Personalmarketing, Lars von der Wellen, ein wirklich sehr sympathischer Ansprechpartner. Und er ist nicht der einzige nette Kerl, den ich bei Gauselmann kenne. Ich mag es, wenn so eine innere Reibung entsteht, weil man sich dabei über Dinge klar wird und die Gelegenheit bekommt, die eigenen Ansichten zu hinterfragen. Im konkreten Fall ergab sich aus dieser Konstellation ein für meinen Geschmack sehr spannendes Interview. Ich persönlich finde die Stelle mit der beruflichen Sinnfrage und den Teil zum Bewerbungsanschreiben besonders spannend.

 

Anschreiben: Ist das Kunst oder kann das weg?

Meine persönliche Meinung zum Anschreiben (und auch dem Rest der Bewerbungsmappe) ist klar: Das braucht kein Mensch! Bei Gauselmann gehen 6.000 Bewerbungen im Jahr ein und Lars von der Wellen hält grundsätzlich erstmal daran fest. Wobei es auch darauf anzukommen scheint, um welche Berufsgruppe es geht. Wichtig ist es, mit potentiellen Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen. Im ersten Schritt gerne auch mal ganz modern über WhatsApp. Die spannende Frage ist ja sowieso, wohin die Reise in Zukunft geht, wenn sich die Unternehmen bei den Jobsuchern bewerben und nicht mehr umgekehrt. Auch darüber sprechen wir im Interview.

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Lars von der Wellen engagiert sich privat

Bei der Auswahl der geeignete Kandidaten hält Lars von der Wellen nicht nur nach den Besten, den Einser-Kandidaten Ausschau. Eine Drei ist okay, wenn Du zeigen kannst, warum Du zu Gauselmann gehörst. Warum Du in diesem Unternehmen sein willst. Ich weiß aus meiner Schulzeit, dass es noch Noten unterhalb der Drei gibt. Und ich bin davon überzeugt, dass schlechte Noten nichts darüber aussagen, wie geeignet jemand für einen Job ist. Dass ich mit dieser Meinung nicht alleine stehe, hat mir unter anderem das Interview mit Inge Brünger-Mylius bestätigt.

Bei 6.000 Bewerbungen pro Jahr bleibt man leider trotzdem unter dem Radar, wenn man es auf dem klassischen Weg versucht. Das bedauert auch Lars von der Wellen, weshalb er sich privat zusammen mit seiner Schwester für Jugendliche engagiert, die aus dem Raster fallen. Und selbst wenn es dann mal vorkommt, dass ein Schüler auf dem Tisch einschläft, lässt er nicht locker. “Jeder Jugendliche hat etwas, worauf er Lust hat”, findet der Personaler. Ich hätte es nicht schöner sagen können. Jetzt, wo ich das so schreibe würde ich noch ergänzen: Jeder Mensch hat auch Fähigkeiten, für die es sich lohnt, ihn in einen dazu passenden Job einzustellen. Da sind wir uns bestimmt einig.

Dicker Sympathiepunkt

Einen dicken Sympathiepunkt bekommt Lars von der Wellen von mir, weil er auch der Meinung ist, dass Berufsorientierung mit Jugendlichen manchmal auf eine Art und Weise durchführt wird, die man den Kids lieber ersparen sollte. Bei Gauselmann und in seinem privaten Engagement legt er deshalb großen Wert auf Neutralität und Qualität beim Umgang mit dieser Zielgruppe.

Ehrlich gesagt konnte ich den ganzen Schrott, der teilweise an den (gezwungenermaßen teilnehmenden) Jugendlichen verbrochen wird, irgendwann nicht mehr ertragen. Das war für mich ein Grund von mehreren, mich von dieser Zielgruppe zu verabschieden. So mit das Härteste, was ich mal erlebt habe, war: Schüler Servietten falten lassen, damit sie Einblicke in den Beruf des Hotelfachmanns bekommen. Als Einzelkämpfer habe ich keine Lust, in diesem Markt – der mittlerweile sogar den großen Unternehmen schon zu überlaufen ist (!) – dagegen anzukämpfen. Gauselmann bleibt am Ball. Ich drücke die Daumen und denke noch ein bisschen darüber nach …

Inhaltsübersicht:

  • Karriereakademie: Gauselmanns Berufsorientierungsangebot für den Nachwuchs
  • Bewerbungstipps auf der Firmenhomepage: Zeilenabstand gemäß DIN 5008?!
  • Unternehmensphilosophie = Keine Fehler?
  • Das Anschreiben: Ist das Kunst oder kann das weg?
  • Geht es nur um die Besten?
  • Sehen Jobsucher Gauselmann als Arbeitgeber kritisch?
  • Welchen Sinn bietet ein Spielautomatenhersteller seinen Mitarbeitern?
  • Privates Engagement: Berufsorientierung für die, die durchs Raster fallen.
  • Lösungen, für die kürzer werdende Verweildauer beim gleichen Arbeitgeber.
  • Die Rolle der Quereinsteiger: Industriekauffrau-Ausbildung mit 40+
  • Unternehmen bewerben sich bei Jobsuchern.

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