Prof. Dr. Jan Brinckmann

Prof. Dr. Jan Brinckmann – Professor für Unternehmensgründungen an der ESADE Business School in Barcelona.

Mit der Existenzgründung ist das so ’ne Sache. Einerseits kann ich mein Ding durchziehen, werde ich meinen ätzenden Chef los, entscheide ich selbst, wer meine Kollegen sind, und so weiter und so fort. Andererseits scheitern 80 Prozent der Gründer. Die meisten sogar recht schnell. Mit Prof. Dr. Jan Brinckmann, dem 41-jährigen Professor für Unternehmensgründungen an der ESADE Business School in Barcelona, spreche ich im Jobsucher-Podcast über die Überbewertung von Geschäftsideen, wie ich als Unternehmer erfolgreich sein kann und warum sich Gründen trotz des hohen Risikos lohnt.

Daran scheitern Startups

Für das Scheitern von Startups gibt es viele Gründe. Die beiden wichtigsten sind: Probleme im / mit dem Team und dass die Geschäftsidee sich am Ende als doch nicht so toll entpuppt, wie der Gründer ursprünglich dachte. Der Kunde kauft schlicht und einfach nicht. Ich kann Dir sagen: Das kann einem Selbstständigen echt den Tag versauen! Die Lösung für dieses Problem ist, bereits während der Marktforschungsphase gezielt eine Situation zu schaffen, in der der Kunde vielleicht schon kauft. Oder in der er mir zumindest einen „Letter of intent“  (LoI) / eine Absichtserklärung unterschreibt. Was wiederum mit sich bringt, dass ich mein Produkt zu einem Zeitpunkt verkaufe, an dem es noch gar nicht fertig ist. „Sell it, before you make it!“ heißt diese Praxis auf Englisch, für deren Umsetzung man für mein Empfinden eine gewisse Portion an Mut und Selbstsicherheit braucht. Wobei ich diese beiden Dinge als Gründer sowieso und nicht nur an dieser Stelle mitbringen sollte. 😉

der-weg-entsteht-beim-gehen

Die Erfahrung zeigt: Der Weg entsteht (leider erst) beim Gehen. Deswegen ist es wichtig loszugehen, auch wenn ich nur die grobe Richtung kenne und noch unsicher bin.

Niemand zahlt für die Lösung kleiner Probleme

Eine Situation, in der ein Kunde vielleicht schon kauft, ist ein persönliches Gespräch. Jan Brinckmann, der international unterwegs ist,  sagt dazu: „Coffee type of interaction“. In der Praxis sitzt man sich dabei gegenüber und versucht bei einem lecker Käffchen herauszufinden, wo der potentielle Kunde (oder auch Arbeitgeber) Probleme hat. Und je größer die sind, umso besser ist es. Denn niemand gibt Geld für die Lösung kleiner Probleme aus. Mit jedem Gespräch / potentiellem Kundenkontakt, verändert und verfeinert sich die Geschäftsidee des Gründers. „Die erste Idee ist intuitiv überbewertet. Die Leute versuchen Businesspläne zu schreiben. Viel wichtiger ist es, schnell ins Doing zu kommen und zum Kunden hinzufahren“, findet Prof. Dr. Jan Brinckmann.

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Über „Kaffee-Interaktion“ denk‘ ich mal nach

Kaffeetasse

Kaffee-Interaktion: Wenn die Tasse so groß ist, wird das Gespräch zu lang. Ich rate zu – vielen! – kurzen Gesprächen, dank halbvoller oder kleinerer Tassen.

In Firmen gehen, vor Ort Ideen / eigene Vorstellungen in kurzen (eine „Kaffee-Länge“), persönlichen Gesprächen überprüfen und weiterentwickeln, dabei ein Netzwerk für den späteren Verkauf / eine Festanstellung aufbauen. Kommt Dir das irgendwie bekannt vor? Dann bist Du wahrscheinlich ein treuer Leser meines Blogs / Hörer meines Jobsucher-Podcasts. Bei mir heißt der „Coffee type of Interaction“ Info-Gespräch und funktioniert ganz ähnlich. Erstmal eine angenehme Gesprächsatmosphäre schaffen und dann mit bestimmten Fragen ran an die Probleme. Danach gucken: Kann ich die lösen? Und vor allen Dingen: Hätte ich Spaß an dieser Aufgabe?

Als alter Journalist und Ostwestfale habe ich natürlich einen schönen, deutschen Begriff dafür. 😉 Ich denke aber mal darüber nach, aus „Info-Gespräch“ in Zukunft „Kaffee-Interaktion“ zu machen. Wenn Du mehr über Info-Gespräche wissen möchtest, dann hör Dir meine Podcast-Episode „Traumjob finden“ an. Darin erkläre ich die Vorgehensweise mit Life/Work Planning Verfahren (L/WP). Das ist die aus Amerika stammende Coaching-Methode, mit der ich arbeite. Unter dem Titel „Traumjob finden – The Movie“ gibt es die gleiche Inhalte auch noch mal als Video, falls Du das lieber magst.

Anstrengend und unangenehm: Zum Kunden gehen

Zu Beginn dieser Jobsucher-Podcast-Episode spricht Jan Brinckmann von vielen die gründen wollen und zum Beispiel von Menschen wie dem Facebook-Gründer Mark Zuckerberg inspiriert sind. Die machen dann ein bisschen was und merken recht schnell: „Oh! Das ist ja tatsächlich anstrengend. Oh! Jetzt muss ich an Kunden heran gehen. Das ist ja unangenehm!“ Und dann war’s das ganz schnell wieder.

TuneIn

Sehr zu meinem Bedauern gibt es auch hier eine Parallele zu meiner Vorgehensweise. Viele Jobsucher wollen einen tollen Job und finden es auch zu anstrengend und unangenehm, dafür in Unternehmen zu gehen oder andere Menschen anzusprechen. Wobei ich sehr gut und auch aus eigener Erfahrung nachvollziehen kann, dass dabei schnell mal ein echt ätzendes „Kaltakquise-Gefühl“ entsteht. Und ich weiß auch, wie schwer es ist, darüber hinweg zu kommen. Trotzdem wüsste ich im Moment keine Alternative. Auch nicht in Form einer Software- oder Roboter-Lösung, über die wir auch im Podcast sprechen. Dass Jan die gleiche Erfahrung macht, tröstet mich aber auch irgendwie. Vor allen Dingen wenn ich daran denke, wie viele unglaublich tolle Chancen durch „gar nicht erst los gehen“ verschenkt werden. Allein für den Trost in dieser Sache lohnt sich ja schon ein gemeinsamer Kaffee. 🙂

An dieser Stelle bleibt mir nur, Dir ganz viel Mut und Energie zu wünschen, damit Du Dich auf den Weg machen kannst. Falls ich Dich dabei irgendwie unterstützen kann, dann nimm gerne Kontakt zu mir auf. Zum Kontaktformular

Hier kommt der im Podcast versprochene Link. Dazu noch eine sehr gute Adresse für Gründer:

Denkwerk Herford

OWL hat Gründern viel zu bieten: Oliver Flaskämper vom „Denkwerk Herford“ war auch schon im Jobsucher-Podcast zu Gast.

Falls Du mehr zum Denkwerk wissen willst, dann hör Dir den Podcast mit Oliver Flaskämper an. Mit dem Seriengründer habe ich auch über Startups und Existenzgründung gesprochen. Das Denkwerk ist bei mir um die Ecke und ich schwöre, es lohnt sich immer, da mal vorbeizuschauen. Ostwestfalen-Lippe (OWL) hat für Gründer echt so einiges zu bieten!

Falls Dir mein Jobsucher-Podcast gefällt, bewerte mich bitte in iTunes. Danke!

Inhaltsübersicht:

  • International unterwegs:
    Prof. Dr. Jan Brinckmann stellt sich vor.
  • Darum scheitern Startups:
    Warum 80% auf der Strecke bleiben.
  • Anstrengend und unangenehm:
    Zum Kunden gehen.
  • Augen auf bei der Teambildung:
    Vor- und Nachteile beim Gründen mit Freunden.
  • Das sind keine Übermenschen:
    Man muss nicht so toll sein, um gründen zu können.
  • Coffee type of interaction:
    Kaffee-Genuss mal ganz anders.
  • Warum kauft der Kunde nicht?
    Auf der Suche nach dem richtigen Problem.
  • Lern-Station:
    Das Gespräch mit dem potentiellen Kunden.
  • Intuitiv überbewertet:
    Die Idee des Gründers ist nur ein Ausgangspunkt.
  • Vergiss Businesspläne:
    Komm möglichst schnell ins Doing!
  • Finden was mich glücklich macht:
    Viele Sachen ausprobieren ist das A&O.
  • Digitaler Wandel:
    Werden Coaches in Zukunft noch gebraucht?
  • Interessante Frage:
    Wie kann ich als Mensch den Maschinen nutzen?
  • Skalieren über alles?
    Oder darf’s auch einfach „nur“ um Selbstbestimmung gehen?
  • Wollen nicht wachsen:
    80% der Gründer sind am liebsten alleine unterwegs.
  • Gründen trotz hohen Risikos:
    Warum ich das Wagnis eingehen sollte.

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