Martin Gaedt

Martin Gaedt – Provotainer, Innovationsmanager, Firmengründer, Buchautor, Ideenentwickler und vor allen Dingen Unternehmer.

Provotainment nennt der 48-jährige Vortragsredner Martin Gaedt seine Mischung aus Provokation und Entertainment. Am deutschen Bewerbungssystem lässt der Innovationsmanager mit dem Fokus Arbeitsmarkt und Buchautor kein gutes Haar. Er behauptet: “Alles, was öffentlich über den Arbeitsmarkt gesagt wird, ist falsch!” Der Fachkräftemangel zum Beispiel, ist ein Mythos. Martin geht eher davon aus, dass es in den nächsten zehn Jahren zu einer Massenarbeitslosigkeit kommt. Trotz dieser Prognose ist und bleibt er ein Optimist, der Unternehmern rät, Regelbrecher einzustellen. Denn ohne Regelbruch ist Innovation nicht möglich. Eine schrecklich schwere “Innovations-Geburt” ist es, den Sharing-Gedanken endlich auch in den Arbeitsmarkt zu bringen. Da existiert er nämlich nicht. Und zwar weder bei den Arbeitgebern, noch bei den Arbeitnehmern. Dabei sind doch alle Beteiligten vom Bewerbungssystem frustriert.

 

Stellenbörsen und Headhunter machen Kohle

Mülltonne für Bewerber

Wertvoller Müll: Jemanden an die Konkurrenz weiterempfehlen? Nie! Viele Unternehmer schmeißen die Mappen der guten Bewerber, die sich nicht einstellen können, lieber in die Tonne.

Die Unternehmer jammern: “Wir bekommen keine guten Bewerbungen mehr!” Die Personalverantwortlichen stimmen in das Klagelied mit ein. Komplett überlastet seien sie. Alle hacken auf ihnen rum. Die Fachabteilungen antworten nicht und die Bewerber jammern, dass sie keine Antwort bekommen. Denn die schreiben 300 Bewerbungen, bekommen trotzdem keinen Job und werden dabei irgendwie nöckelig. Doch es gibt auch Gewinner: Stellenbörsen und Headhunter machen ordentlich Kohle mit diesem Bewerbungssystem, das eigentlich alle ankotzt. Aber teilen? Welch ein kühner Gedanke! Nicht mit uns! Lieber schmeiße ich als Arbeitgeber von 20 guten Bewerbungen 19 in die Tonne, als deren Absender an die Konkurrenz weiterzuempfehlen. (Als ob die nicht selbst darauf kämen, dass dieses Unternehmen nicht das einzige im Universum ist.) Als treuer Hörer meines Podcasts weißt Du, dass es auch anders geht: Thomas Kilian von der Agentur für neue Medien “Thoxan” nutzt Absagen heute schon als Chance zum Netzwerken.

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Du bist einer von 14 Millionen

Und die Jobsucher? Jeder kocht sein eigenes Süppchen. Austausch findet über Arbeitgeberbewertungsportale wie Kununu statt, doch wie aussagekräftig sind die Informationen, die Du dort bekommst? Mal ehrlich: Ein persönlicher Austausch unter vier Augen, das wäre ein ganz anderes Kaliber! Aber irgendwie fühlt sich Jobsuche oft an, als wäre ich ganz alleine unterwegs. Dabei sind laut Martin Gaedt ein Drittel aller Beschäftigten (latent) auf der Suche. Das bedeutet, dass Du als Jobsucher einer von 14 Millionen bist, die zusammen mit Dir auf der Suche sind. Stell Dir mal vor, welche Kraft die mit einer Vernetzung entfalten würden! Im Kleinen merke ich das schon im Coaching, wenn ich zwei Klienten aus dem Einzelcoaching zusammenbringe, die im gleichen Markt unterwegs sind. Die sich auf die gleiche Stelle beworben haben. Oder wo einer sich bei dem Unternehmen bewirbt, das der andere gerade verlassen hat. Da gibt’s Infos satt aus dem Nähkästchen! 😉

Massenarbeitslosigkeit voraus

Die große Frage ist, wie sich die Situation in den nächsten zehn Jahren entwickeln wird. “Es wird extreme Umbrüche geben und wir wissen nicht, welche kommen”, sagt Martin Gaedt. Er geht davon aus, dass durch die Digitalisierung sogar im Handwerk Jobs wegfallen werden und das uns eine Massenarbeitslosigkeit erwartet. Jetzt müssen laut Martin beide Seiten – die Arbeitgeber und die Arbeitnehmer – sich mit aktuellen Themen beschäftigen und fortbilden: “Ich bin skeptisch, wie viele up to date sind.” Für Jobsucher ist das erstmal eine gruselige Vorstellung. Für diejenigen, die die Energie aufbringen etwas zu verändern, kann es aber auch eine Chance sein. Speziell für Menschen, die offen für Neues sind und die vielleicht noch mal umsatteln wollen. Laut den Prognosen kennen wir von den Berufen, die wir in zehn Jahren ausüben werden, heute erst 30 Prozent. Es ist sozusagen noch alles offen. Es kommt auf Eigeninitiative an.

Martin Gaedt Roter Faden

Martins Markenzeichen: Die rote Trainingsjacke (und der rote Faden), weil Ideenfitness Training bedeutet.

Langweilig, ineffektiv und ineffizient

Und Eigeninitiative ist auf beiden Seiten nicht so richtig angesagt. Die einen hauen Standardbewerbungen raus. Die andern nerven mit den immer gleichen Stellenanzeigen. “Das alle sich über einen Lebenslauf bewerben sollen ist langweilig, völlig ineffektiv und ineffizient”, findet Martin Gaedt. Dabei findet sich ein guter Buchhalter auf kreative Weise mit einem Kostenaufwand von ein paar mal 3 Cent. Selbst Ingenieure, die absolute Mangelware im Bewerbungseingang sind, kann ich dazu bringen, mir die Bude förmlich einzurennen. Das funktioniert, indem ich eine Frage stelle, die sonst keiner stellt: Welche Musik hören Ingenieure? Die Antwort: Heavy Metal. Was liegt also näher, als unter allen qualifizierten Bewerbern vier (sehr schwer zu bekommende) Karten für das Wacken Open Air Festival zu verlosen? 🙂

Regelbruch = Innovation

Wer das macht, der rockt im wahrsten Sinne auch die (Firmen-) Bude. Der sollte damit klar kommen, wenn der Bewerber für den Ingenieursposten zum Vorstellungsgespräch im Wacken-T-Shirt auftaucht. Das ist Regelbruch. Und ohne Regelbruch gibt es laut Martin Gaedt keine Innovation. Und ohne Innovation kannst Du Dein Unternehmen einstampfen. Auch der Typ mit den schlechten Noten, dem abgebrochenen Studium, den häßlichen Lücken im Lebenslauf, den schlechten Arbeitszeugnissen, dem Wunsch mit über 50 noch mal eine Ausbildung zu machen, und so weiter … ist ein Regelbrecher. Und sein Regelbruch ist ein Argument dafür, ihn einzustellen! Nur mit dem langweiligen, klassischen Weg über den tabellarischen Lebenslauf haut das nicht hin. “Da muss man einfach mal einen anderen Weg gehen. Und vielleicht auch mal einen kürzeren”, findet Martin, der damit meint, ohne Umwege direkt im Unternehmen aufzuschlagen.

Stitcher

Für die Gesundheit: Ausbildung 70+

Eine Ausbildung mit über 50 zu machen ist übrigens ein gutes Stichwort. Martin meint, dass viel dafür spricht, sogar mit 70 noch mal eine Ausbildung zu machen: “Das ist das wirksamste Mittel gegen Demenz und Alzheimer. Was Neues machen und sich überraschen lassen, ist Gesundheitsvorsorge für Ältere.”

Wenn Du jetzt noch keine Lust hast, Dir diese Jobsucher-Podcast-Episode anzuhören, dann ist Dir nicht mehr zu helfen. 😉 Ich wünsche Dir viel Spaß und nicht vergessen: Bewerte diesen Podcast in iTunes. Das ist mir ganz wichtig! Vielen Dank!

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Martin Gaedt im Netz:

Rock Your Idea BuchMartins Bücher:

Inhaltsübersicht:

  • Martin Gaedt:
    Provotainer, Innovationsmanager, Ideenentwickler, Firmengründer und Buchautor.
  • Mythos Arbeitsmarkt:
    Alles, was öffentlich gesagt wird, ist falsch.
  • Absolute Minderheit:
    Fünf Prozent der Unternehmen strengen sich an.
  • Massenarbeitslosigkeit voraus:
    Martin setzt auf Ideen und hofft, dass wir die Dinge anpacken und gestalten.
  • Die Kernfrage:
    Will ich Energie aufwenden um etwas zu ändern oder nicht?
  • Extreme Umbrüche:
    Von den Berufen, die wir in zehn Jahren ausüben, kennen wir heute erst 30 Prozent.
  • Aufs richtige Pferd setzen:
    Beide Seiten müssen sich fortbilden und dran bleiben.
  • Selbstverantwortung und Eigeninitiative:
    Wer aktiv mitgestaltet nimmt Einfluss auf sein Berufsbild.
  • Kaputt und frustrierend:
    Das deutsche Bewerbungssystem
  • Machen die dicke Kohle:
    Stellenbörsen und Headhunter.
  • Vereint im Jammertal:
    Unternehmer, Personalverantwortliche und Bewerber.
  • Hätte man auch sinnvoll anlegen können:
    3,2 Milliarden Euro für Stellenanzeigen in 2016.
  • Zu viel gezahlt und trotzdem gespart:
    Ein guter Buchhalter für 3 Cent.
  • Langweilig, völlig ineffektiv und ineffizient:
    Bewerbung mit Lebenslauf.
  • Auf die metallharte Tour:
    Bewerbersuche beim Wacken Open Air (WOA).
  • Pro Regelbrecher:
    Ohne sie gibt es keine Innovation.
  • Einstieg für Regelbrecher:
    Geh einfach mal einen anderen (kürzeren) Weg.
  • Du bist nicht allein:
    14 Millionen auf der Suche.
  • Warum nicht teilen?
    Wie Konkurrenzdenken den Arbeitsmarkt blockiert.
  • Azubis 50+:
    Gerne gesehen bei einer Online Bank.
  • Immer heiter weiter machen:
    Ausbildung mit 70 ist aktive Gesundheitsvorsorge.
  • Drei Tipps für Jobsucher:
    Mit Leuten sprechen, Veranstaltungen besuchen und Unternehmen besuchen.

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